CHEFPFLANZE IM NEUROSENGARTEN

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

mit 4 Kommentaren

Der Neurosengarten beginnt irgendwie vor sich hinzusterben. Es war mir klar, dass das irgendwann passiert und mittlerweile fällt es mir nicht schwer das auszusprechen.

Ich habe mein Alter Ego Goodkats zu einem Zeitpunkt erschaffen, an dem mir nicht ganz klar war, dass ich am Beginn einer neuen Lebensphase befinde. Wie alles im Leben treten Veränderungen nicht mit einem lauten Knall ein und sind plötzlich da und abgeschlossen. Sie schleichen sich in dein Leben, kitzeln dich leicht. Du bemerkst es, empfindest ein angenehmes Gefühl und lässt den Dingen ihren Lauf. Irgendwann stellst du fest, dass du anders geworden bist. Da sind Dinge passiert, die zum Lachen waren. Erlebnisse, die mich so glücklich gemacht haben, dass ich die ganze Welt umarmen wollte und Erlebnisse, bei denen ich mir den berühmten „Red Button“ herbei gesehnt habe, weil ich so wütend, enttäuscht und verletzt war. Ich habe gelacht und geweint. Fallweise habe ich auch gelitten wie ein geprügelter Hund. Ich bin umgezogen, obwohl ich mich Anfangs nicht so recht getraut habe. Finanzielle Gründe. Es erwies sich im Nachinein als eine der besten Entscheidungen meines Lebens und dass nichts so heiß gegessen wie gekocht wird. Der Umzug in jenes Haus in dem ich aufgewachsen bin, mit den Eltern im 5. und der Schwester im 1. Stock…ich wusste nicht, wie wichtig das für mich wird. Wie sehr mir das geholfen hat wieder zu mir selbst zu finden. Als hätte man einen Baum entwurzelt, für 4 Jahre lang woanders eingepflanzt und als man merkte, dass der Baum sich nicht erholt, immer mehr abstirbt, brachte man ihn wieder an seinen alten Platz zurück.

Als Goodkats tobte ich mich eine Zeit lang auf Twoday aus, später auf WordPress. Den Blog auf Twoday behielt ich trotzdem. Wegen jener Texte, die mir am Herzen lagen. Die mich Herzblut gekostet haben oder mich einfach selig lächeln ließen. Sowas kann ich nicht ins Webnirvana schicken. Und auch auf dem aktuellen Blog gibt es ein paar Sachen, die ich nicht loslassen kann. Kurz: ich tue alles, was mir heilig ist in Kartons, lösche anschließend den Twodayblog, lasse diesen hier aber noch ein Weilchen stehen und packe drüben erstmal aus. Ich habe einen neuen Blog hier auf WordPress gestartet. Der Neurosengarten wird definitiv nicht mehr beschrieben. Ganz aufhören zu schreiben kann ich nicht, will ich nicht. Es ist eines der wenigen Dinge, die ich mit Leidenschaft betreibe und es ist ein bisschen so, als würde ich an meinem eigenen Geschichtsbuch schreiben und sein eigenes Geschichtsbuch wirft man schließlich nicht einfach so weg. Klar, es gibt Texte, die sehen mich Tage später mit fremden Augen an und ich frage mich: Mmmpf..na Hauptsache du hast deinen Kopf leer gemacht, was? Ich habe fallweise auch E-mails oder Kommentare erhalten, die sich nicht besonders positiv über das Geschriebene äußerten. Sowas habe ich selten beantwortet. Aus folgendem Grund: Wir sind hier im WWW. Wer sich also an etwas stößt, das ich geschrieben habe, ist nicht gezwungen hier zu bleiben. Der kann weitergehen, tun und lassen was er will. Aber wer nicht mit konstruktiver Kritik kommt, sondern nur disst, weil er dissen will, der braucht mit gar keiner Kritik anzukommen. Das hier ist ein Blog. Ich zünde keine Atombomben, quäle keine Tiere und vermöble auch keine Menschen oder mache sonstigen niederträchtigen Scheiss. Ich denke also, es gibt wichtigere Dinge über die man sich aufregen könnte, als mein Geschreibsel, das vielleicht eine handvoll Menschen lesen. Deshalb sollten diese Leute sich ihre Wut für jene sparen, die´s wirklich verdient haben und meinetwegen einen Brief ans Finanzamt schreiben. Oder an die EU. Oder mal die Hanseln befragen, die ständig nölen, dass mit Fernflugreisen das Klima belastet wird und jeden Sommer beginnt trotzdem die Formel 1 Saison. Oder steht die F1 in irgendeiner Relation, die sich mir nicht erschließt?

Und weil das jetzt auch mal gesagt werden muss: Natürlich habe ich mich über jeden einzelnen gefreut, der hier über diese Seite gestolpert ist und stiller Mitleser war. Und natürlich auch über jene, die kommentiert haben und das mit einem Augenzwinkern, konstruktiver Kritik oder mir einfach Mut zugesprochen haben, wenns mal nicht so astrein lief.

Wie auch immer. Die Zeit von meinem Alter Ego ist vorbei. Nicht nur aus den bereits genannten Gründen, die einem das Leben halt so liefert, sondern weil ich mich auch selbst dabei ertappt habe, dass ich auch gerne Geschichten schreibe, die eben wirklich nur Geschichten sind und nicht 1:1 aus meinem Leben gegriffen. Veröffentlicht habe ich sie nie, denn zu Goodkats passt das irgendwie nicht. Goodkats erzählt von den schallenden Ohrfeigen, die ihr das Leben gibt. Von Sauftouren. Von der Hölle Straßenverkehr. Von derben Mitmenschen. Von Herzschmerz. Aber doch bitte keine Geschichten, das ist doch total pussy!

Es ist ja nicht so, dass ich keine Ohrfeigen mehr bekomme, den Straßenverkehr mit einer buddhistischen Ruhe erlebe oder weniger Herzschmerz habe. Allerdings sind die Sauftouren weniger geworden, das muss ich zugeben. Aber was den Kern ausmacht, ist: die Sichtweisen haben sich verändert, die Interessen sind verlagert, neue sind hinzugekommen und der banale Schrei nach Veränderung wurde einfach zu laut. Genau definieren kann ich es wirklich nicht, daher halte ich es einfach schwammig und sage: Goodkats passt nicht mehr zu mir. Oder ich nicht mehr zu Goodkats. Kann man sehen, wie man will. Wenn man also einen gewissen Punkt erreicht hat und zum nächsten möchte, ist es eben Zeit für etwas Neues.

Ich halte nicht geheim, wohin ich ziehe. Bin ja schließlich nicht in einem Zeugenschutzprogramm. Wer auch immer es wissen möchte, dem verrate ich es gerne. Einfach E-mail an: goodkatblog[ät]gmail[dot]com schicken. Antwort kommt. Vielleicht nicht postwendend, aber spätestens, wenn ich das neue Blog hübsch gemacht habe und es sich vor Menschen traut.

Geschrieben von Holly

20/09/2009 um 18:44

Veröffentlicht in Emotional